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Automatisierbarkeit von Tarifen

Ein sehr wichtiger Punkt ist die Automatisierung von Tarifen im Personenverkehr. Nur wenn ein Tarif in ein Handverkaufsgerät, Bordrechner (Fahrscheindrucker), Fahrausweisautomat oder über Internet verkaufbar ist, können die modernen Verkehrsbetriebe oder Verkehrsverbünde Ihren Vertrieb durchführen. Die Anzahl der Verkehrsbetriebe, die Ihren Fahrausweisverkauf nicht über einen modernen PC durchführen werden immer weniger.

Automatisierbarkeit von Tarifen im Personenverkehr

© Uwe Losse zuletzt aktualisiert 15.10.2006

Die Voraussetzung um einen Tarif zu automatisieren ist eine Übersetzung der für Menschen gedachten Fahrpreistafeln und Tarifübersichten in ein für Computer verwertbares Format.

Dies geschieht, indem alle Verkaufspunkte erfasst und mit Nummern versehen werden. Nachfolgend ist beispielhaft die Automatisierung eines Tarifs beschrieben.

Ein Nachteil für den Einsatz der modernen Verkaufssysteme sind die hohen Investitionskosten. Demgegenüber stehen jedoch die Freiheit, schnell und flexibel neue Fahrscheinsorten oder Preise einzufügen. Bei herkömmlichen Blockverkauf müssen neue Fahrausweise erst in der Druckerei bestellt und gedruckt werden. Hier entstehen ebenfalls Kosten und es entstehen Lieferzeiten.

Ungeschlagen sind die modernen Verkaufssysteme in der Bedienbarkeit und Abrechnungsfähigkeit. Komplexe Tarifstrukturen von mehreren Verkehrsverbünden können so in die Verkaufsgeräte implementiert werden, dass das Verkaufspersonal kaum Einweisungen in den Tarifdschungel benötigt. Die modernen Verkaufssysteme übernehmen den Rest. Es sind beliebige Auswertungen möglich, z. B.:

  • Linienauswertungen
  • Auswertungen nach Tageszeit (zu welcher Stunde werden die meisten Tickets verkauft)
  • Auswertung von Fahrgastströmen
  • Auswertung auf eingesetzte Fahrzeuge
  • u. v. m.

Voraussetzung für die Tarifautomatisierung

Haltestellen und Verkaufspunkte im Personenverkehr durchgehend nummerieren

Zu Beginn müssen alle Haltestellen in dem Verkaufsgebiet nummeriert werden. Auch die selten angefahrenen Bedarfshaltestellen oder Schülerlinien müssen dabei erfasst werden. Bei dieser Nummerierung sollte ein System erkennbar sein, z. B. eine Durchnummerierung pro Linienverlauf. Dies ist jedoch nur bedingt durchführbar, da sich Linien kreuzen.

Die Haltestellennummern müssen eindeutig sein und es sollte bei der Nummerierung berücksichtigt werden, das eventuell weitere Haltestellen hinzukommen können. Die Nummern sollten möglichst klein gehalten werden und maximal 5stellig sein.

Bei automatisierten Verkaufssystemen ist besonders in großen Verkaufsgebieten (Verbundgebiete) wichtig, die Datenmenge möglichst gering zu halten. Daher kommen in solchen großen Verkaufsgebieten auch nur Zonentarife zum Einsatz.

Erstellen einer Preisstufenmatrix

In der Preisstufenmatrix sind alle möglichen Verkaufsrelationen aufgeführt und untereinander in Beziehung gestellt. In der Preisstufenmatrix werden keine Preise aufgeführt sondern Preisstufen. Der Verkehrsbetrieb muss in einer solchen Tabelle einmalig die Preisstufen zwischen zwei Haltestellen oder zwischen zwei Zonen ermitteln. Eine Preisstufenänderung kann zu jedem beliebigen Zeitpunkt erfolgen, sind jedoch eher seltener Natur. Weitaus häufiger sind Änderungen im Preis des jeweiligen Fahrausweises.

Für die Ermittlung der Preisstufe ist nicht nur die tatsächliche Entfernung maßgebend, auch die tatsächlichen Fahrgastströme und damit die Auswirkung auf die Einnahmen, oder die Qualität der eingesetzten Fahrzeuge und Fahrplandichte können bei der Bewertung der Preisstufe eine Rolle spielen. Bei der Festlegung der Preisstufe hat der Verkehrsunternehmer freie Hand.


Preisliste für die Fahrausweissorten

In einer Fahrpreistafel sind nun die einzelnen Fahrausweise mit den Preisen in der jeweiligen Preisstufe aufgeführt. Mit dieser Schematik lassen sich alle Tarife und Tarifformen von Handverkaufsgeräten, mobilen und stationären Fahrausweisautomaten, Fahrscheindruckern und Bordrechnern gleichermaßen umsetzen.


Hersteller für Bordrechner (Fahrausweisdrucker, Fahrscheindrucker), Fahrausweisautomaten, Vorverkaufsstellengeräten und Handverkaufsgeräten

Für die Automatisierung von Tarifen ist sehr viel Know How erforderlich. In diesem Beispiel wurde das grundsätzliche Vorgehen aufgezeigt. Viele Besonderheiten wie z. B.:


  • unterschiedliche Preisstufen für Schülerzeitkarten und anderen Fahrausweisen,
  • Vereinigung von unterschiedlichen Tarifen und Tarifsystemen (z. B. wenn ein Verkehrsbetrieb in mehreren Verbundräumen gleichermaßen Personenverkehr betreibt) in ein Verkaufssystem,
  • die Behandlung von tariflichen Besonderheiten wie die Kurzstreckenproblematik und die Ausweisung der verkauften Fahrausweisen für die unterschiedlichen Verbundmeldung oder _ - Jahresstatistiken für die Statistischen Landesämter oder das Statistische Bundesamt
  • Unterschiedliche Preise für die verschiedenen Zahlungsarten (Barzahlung, Geldkarte, EC – Cash, usw.)
  • u. v. m.

können die modernen Verkaufssysteme leisten. Wenn die modernen Verkaufsgeräte in mobilen Fahrzeugen verbaut sind, kommen zumeist noch eine Vielzahl von Steuerungsaufgaben auf die Verkaufsgeräte zu, z. B.:

  • Ansteuerung der Zielbeschilderung
  • Ansteuerung von elektronischen Haltestellenansagen
  • Ansteuerung von Haltestelleninnenanzeigen
  • Ansteuerung von angeschlossenen IBIS – Geräten wie z. B. Fahrausweisentwerter
  • Beeinflussung von Lichtsignalanlagen (LSA, oder Ampelsteuerung)
  • Unterstützung von rechnergestützten Betriebsleitsystemen (RBL)
  • Kommunikation zwischen Fahrzeug und Leitstelle
  • Ansteuerung und Kontrolle von Chipkartensystemen
  • Erfassen von Tankdaten
  • elektronisches Fahrtenbuch
  • u. v. m.

Um dies zu erreichen müssen alle Faktoren gleichermaßen berücksichtigt werden. Der Tarif muss den Wünschen des Verkehrsbetriebes angepasst werden, um dieses zu erreichen. Die Automatisierung von Tarifen ist gerade im Zusammenspiel mit weiteren Anforderungen der Verkehrsbetriebe eine Herausforderung. Um diese Herausforderung zu meistern ist eine Beratung bei der Umsetzung notwendig. Die Hersteller von Bordrechnern, Fahrausweisautomaten, Vorverkaufsstellengeräten und Handverkaufsgeräten (Handhelds) verfügen über dieses Know How.


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